Blaue Reflektoren an den Leitpfosten
Wofür sind diese da und wie muss ich mich verhalten?

Sven Meier
Fahrlehrer und Präsident
der Verkehrsschule Zug
Ein SchlauMeier – wer kennt ihn nicht? Ein SchlauMeier ist aber keineswegs nur ein Besserwisser, sondern ein Mensch, der mit durchdachten Beiträgen sowie verständlichen Erklärungen überzeugt und so sein Umfeld bereichert. Genau dies ist die Absicht von Sven Meier, Fahrlehrer und Präsident der Verkehrsschule Zug, in dieser vielseitigen Rubrik.
Der Herbst steht vor der Tür. Die Tage werden kürzer, die Temperaturen sinken und die Natur bereitet sich langsam auf den Winter vor. Für uns Automobilistinnen und Automobilisten bedeutet das aber auch: Jetzt ist wieder vermehrt mit Wildwechsel zu rechnen. Wildtiere, wie zum Beispiel Rehe, sind vor allem in der Dämmerung und während der Nacht unterwegs. Vielleicht ist Ihnen dabei schon aufgefallen, dass an gewissen Leitpfosten blaue Reflektoren angebracht sind. Was haben diese zu bedeuten? Zeit, Licht ins Dunkle zu bringen.
Die klassischen Leitpfosten kennt wohl jede und jeder. Rund einen Meter hoch, weiss mit schwarzer Markierung und den bekannten Reflektoren. Sie helfen uns dabei, den Strassenverlauf bei Dunkelheit oder schlechter Sicht besser zu erkennen. An immer mehr Strassenabschnitten, insbesondere im ländlichen Raum, fällt jedoch ein zusätzliches Detail auf: blaue Reflektoren.
Der blaue Lichtzaun
Nein, die blauen Reflektoren haben nichts mit einer neuen Verkehrsregel zu tun und sie bedeuten auch keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Ihr einziger Zweck ist der Schutz von Mensch und Tier.
Gerade auf Strassen mit häufigem Wildwechsel suchten Fachleute seit Jahren nach einer kostengünstigen Lösung, um Wildunfälle zu reduzieren. Wildzäune wären zwar wirksam, sind aber teuer und würden die natürlichen Wanderwege der Tiere stark einschränken.
Die Lösung ist überraschend einfach: Treffen die Scheinwerfer eines Autos auf die blauen Reflektoren, wird das Licht seitlich in den Waldrand gestreut. Es entsteht ein sogenannter «blauer Lichtzaun». Viele Wildtiere nehmen dieses blaue Licht als Gefahr wahr und bleiben in diesem Moment lieber im sicheren Wald, anstatt die Fahrbahn zu überqueren. Sobald das Fahrzeug vorbeigefahren ist, verschwindet der Lichtzaun wieder automatisch. Eine einfache Idee mit einem grossen Ziel: weniger Wildunfälle und mehr Sicherheit auf unseren Strassen.
Ebenfalls wichtig ist: Sehen Sie ein Wildtier am Strassenrand, reduzieren Sie sofort die Geschwindigkeit und rechnen Sie damit, dass weitere Tiere folgen. Ein Reh kommt selten allein. Versuchen Sie zudem nicht, einem Tier mit einer heftigen Lenkbewegung auszuweichen. Ein kontrollierter Bremsvorgang ist in den meisten Fällen deutlich sicherer als ein Ausweichmanöver, das im Gegenverkehr oder neben der Strasse endet.
Ein Blick auf den Lichtschalter lohnt sich
Zum Schluss noch ein Hinweis, der gerade im Herbst und Winter besonders wichtig ist. Viele moderne Fahrzeuge fahren tagsüber mit der Lichtstufe «Auto» oder lediglich mit dem Tagfahrlicht. Das funktioniert bei guten Sichtverhältnissen problemlos. Sobald jedoch Nebel, starker Regen oder Schneefall die Sicht verschlechtern, sollten Sie sich nicht auf die Automatik verlassen. Bei vielen Fahrzeugen leuchtet mit dem Tagfahrlicht nämlich nur die Front. Die Rücklichter bleiben ausgeschaltet. Das Fahrzeug ist dadurch von hinten deutlich schlechter sichtbar.
Schalten Sie deshalb bei Nebel oder schlechter Sicht bewusst auf das Abblendlicht. So werden Sie von anderen Verkehrsteilnehmenden besser erkannt. Gleichzeitig funktionieren auch die blauen Wildwarnreflektoren optimal, weil sie das Licht der Scheinwerfer benötigen, um den schützenden «blauen Lichtzaun» entstehen zu lassen.
Fazit:
Die blauen Reflektoren sind ein gutes Beispiel dafür, dass manchmal bereits kleine Massnahmen eine grosse Wirkung erzielen können. Sie kosten wenig, beeinträchtigen den Verkehr nicht und helfen Wildtiere von der Fahrbahn fernzuhalten.
Wenn wir zusätzlich das richtige Licht einschalten, unsere Geschwindigkeit den Verhältnissen anpassen und in der Dämmerung besonders aufmerksam unterwegs sind, leisten wir selbst den grössten Beitrag für mehr Sicherheit.



